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Neues Bülacher Tagblatt
Samstag, 9. Juli 2005
Ludwig Dietrich aus Höri stellt aus Ton Figuren her
Vom Hobby zur Leidenschaft
Höri - Ludwig Dietrich hat ein Hobby, das inzwischen zur Leidenschaft geworden ist. Seine Tonfiguren geben jedem Garten Leben, werden mit viel Liebe zum Detail hergestellt. An seiner Seite steht Gattin Brigitte, seine "hartnäckigste Kritikerin". Die Liebe zum gemeinsamen Hobby verbindet.
Ludwig Dietrich, 71 Jahre, verheiratet. Hobbys: Töpfern,
Fussball. Berufliche Tätigkeiten: Bäcker/Konditor,
Betriebsfachmann, Baustoffhandel.
 von Ruth Dackerman

Ein wunderschöner Garten in Höri. Rosensträucher, Biotop, Pavillon, gepflegt und von einem Hauch Romantik umgeben. Und überall stehen sie, liegen sie, die Igel, Schnecken, Vögel, Gänse, Schlangen, Schildkröten und Katzen, in Handarbeit aus Ton gefertigt. Die Gartenzwerge mit ihrem verschmitzten Gesichtsausdruck, Schneewittchen, Froschkönig und auch Hans im Glück fehlen nicht. Beinahe könnte man meinen, da wäre eine Spur Leben in ihnen, so harmonisch sind sie in die Umgebung eingefügt worden. Zu vielen Figuren hat Ludwig Dietrich eine persönliche Beziehung, vor allem zu den am Anfang hergestellten. "Mit der Zeit relativiert sich alles ein wenig." Manche Figuren erinnern ihn mit ihrem Gesichtsausdruck sogar an bestimmte Leute. Besonders stolz ist der Künstler auf "Hans im Glück", seine Lieblingsfigur mit einer ganz speziellen Ausstrahlung. "Das war eine Herausforderung von der Grösse und der Masse her". Momentan ist Dietrich an der Herstellung eines Froschkönigs, zweifarbig, wie er betont. Die Kugel bekommt eine andere Farbe als der Frosch. Priorität im Schaffen eines Gegenstandes haben immer die Fragen "Was fehlt in der Ausstellung?" und "Zu was habe ich Lust?" Geplant ist eine Ausstellung im nächsten Jahr.

Wie kommt man auf ein so arbeitsintensives Hobby wie Töpfern? Liebevoll schaut der rüstige Senior seine Gattin Brigitte an. "Die Idee zu einem Töpferkurs kam von ihr." In der Tat war Töpfern und Kunsthandwerk immer ein geheimer Traum von Brigitte Dietrich. So lernten die beiden während zehn Abenden die Grundbegriffe des Töpferns, formten in diesem Kurs einfache Schalen, Vasen und Teekrüge. Alles weitere wurde autodidaktisch erarbeitet. An den Abenden und Wochenenden verzog sich Ludwig Dietrich in seinen Hobbyraum, befasste sich mit Ideen für Neukreationen, wurde von seiner Frau oftmals angeregt, etwas zu versuchen. Und wenn er meinte, das könne er doch nicht, blieb sie hartnäckig, insistierte, "und irgendwann ging es doch." Seine Tonkreationen, mit Vorliebe Tierfiguren, sind beliebt. "Hier in der Region legt man Wert auf schöne Gärten. Es gefällt den Leuten, ihren Garten mit schönen Figuren zu schmücken." Alles, was mit menschlichen Gesichtern zu tun hat, trägt die Handschrift von Brigitte Dietrich. "Sie kann auch besser mit dem Pinsel umgehen als ich", sagt der bescheidene Künstler. Die Figuren werden jeweils modelliert, gründlich getrocknet, bei 900 Grad gebrannt und anschliessend glasiert. Beim Glasurbrand werden Temperaturen von bis zu 1300 Grad erreicht. Diese hohen Temperaturen bewirken, dass sich im Material die Poren schliessen und die Gegenstände dadurch frostsicher sind und im Winter problemlos im Garten gelassen werden können.

Überhaupt ist die charmante, jugendlich wirkende Frau an seiner Seite von grosser Bedeutung für Ludwig Dietrich. Man spürt, wie die Liebe zu diesem Hobby sie verbindet. Brigitte hilft mit, hat viele kreative Ideen, ist aber auch gleichzeitig eine hartnäckige Kritikerin. "So kann ich mich weiterentwickeln", betont Dietrich.

Ein einfaches Leben hat er nicht gehabt. In Bayern in der Nähe von Passau aufgewachsen, kam er 1956 als gelernter Bäcker und Konditor in die Schweiz. Dank seinem Engagement im Fussball - "ich war ein Goalgetter" - fand er bald Anschluss zu Kollegen, lernte jassen und auch "Züridütsch". Seine erste Frau starb nach 18 Ehejahren an Krebs, dies war eine schwierige Zeit. Nach einer mehrjährigen Tätigkeit als Chefpatissier im "Gartenhotel" in Winterthur wechselte Dietrich in die Privatwirtschaft, besuchte während fünf Jahren eine Abendschule und machte einen Abschluss als Betriebsfachmann. 1977 kam er zu den Keller Ziegeleien mit dem Auftrag, einen Baustoffhandel aufzubauen. Hier blieb er 24 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung.

Eines Tages, vor 23 Jahren, betrat eine attraktive, blonde Dame sein Geschäft. "Dieses Fräulein würde ich sofort heiraten", bemerkte der damals bereits verwitwete Ludwig Dietrich zu seinem Kollegen. Die Tonplatten, welche die Dame aussuchte, sind diejenigen ihres nun gemeinsamen Hauses in Höri. "Damals war es noch nicht üblich, dass eine Frau ein Haus baut," erzählt Ludwig Dietrich, doch der gebürtigen Mannheimerin, die in der Gemeindeverwaltung Höri tätig war, gefiel es im Zürcher Unterland. Liebe auf den ersten Blick? Ludwig Dietrich zwinkert seiner Frau zu. "Ein Jahr nach unserer ersten Begegnung waren wir verheiratet."

Man spürt die Harmonie zwischen den beiden. "Es ist ein spezielles Glück, den richtigen Menschen nochmals zu finden", meint Dietrich nachdenklich und schaut seine Frau mit einem innigen Blick an. Und auf einmal ist klar, woher die Tonfiguren ihren Zauber haben, ihren Charme und ihren beinahe lebensechten Ausdruck. Es ist die Kraft ihres Schöpfers, der mit so viel Freude und Leidenschaft an dieses Hobby geht und sein ganzes Herzblut hineingibt. Beteiligt ist immer auch Ehefrau Brigitte mit ihrer ruhigen, herzlichen Art, mit viel Verständnis und Sachwissen. "Ich bin dankbar, dass ich dieses Hobby ausüben darf, und hoffe, dass ich gesund bleibe und es noch lange machen kann."

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