Tages-Anzeiger . Dienstag, 6.Januar 2009
Mit den eigenen Händen Welten erschaffen
Familie Dietrich aus Höri töpfert seit 22 Jahren und verkauft ihre Figuren in die ganze Schweiz. Für sie ist das Töpfern zur Leidenschaft geworden.


Von Maria Krummenacher


Höri. - Im Garten liegt eine Schlange und rührt sich nicht. Grün und schuppig ist sie. Manch einem läuft es bei dieser Vorstellung kalt den Rücken hinunter. Ist man aber Kunde bei Familie Dietrich, ist man darüber wenig erstaunt: Es kann jederzeit passieren, dass man unverhofft einen Frosch, eine Krähe oder eine Eishockeyspielerin im Vorgärtchen findet. Aus Ton, versteht sich.

Entscheid war rasch gefällt

Brigitte und Ludwig Dietrich töpfern aus Leidenschaft und verkaufen ihre Figuren in der ganzen Schweiz. Im Keller ihres Hauses in Höri stehen zwei grosse Brennöfen und hunderte kleine und grosse Tonfiguren. Neben Hunden, Katzen, Igeln und Eisbären findet man dort auch Vasen, Kerzenständer und singende Engel. Manche haben schon farbige Gesichter oder eine schöne Verzierung, andere warten noch darauf bei 1250 Grad gebrannt zu werden. Einige wenige sind sogar auserwählt, mit kostbarer Echtgoldfarbe geschmückt zu werden.
Begonnen hat alles vor 22 Jahren. Ludwig Dietrich war viele Jahre lang ein begeisterter Fussballspieler. Sport war seine Leidenschaft. Doch er wusste, dass Fussballspielen mit zunehmendem Alter schwieriger wird, und so wollte er sich nach einem neuen Hobby umsehen. Seine Frau Brigitte Dietrich wollte schon mit jungen Jahren ein Kunsthandwerk erlernen und
Brigitte und Ludwig Dietrich
Brigitte und Ludwig Dietrich in ihrem zur Töpferwerkstatt umfunktionierten Keller.Im Vordergrund ein zu brennender Bär. 
damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Doch dies war ihrer Mutter nicht handfest genug und sie bestand auf einer KV-Lehre.
Die Not zur Tugend machend und den Neigungen Brigitte Dietrich folgend, beschloss das Ehepaar im Jahr 1986, einen Töpferkurs zu belegen. Bereits nach zehn Lektionen war den beiden klar, dass sie im Töpfern eine gemeinsame Leidenschaft entdeckt hatten.

Jede Figur ein Einzelstück

Über die Jahre verfeinerten sie ihre Technik und nahmen immer neue Figuren in ihr Repertoire auf. Mittlerweile steht Ludwig Dietrich sechs bis acht Stunden täglich in der Werkstatt und töpfert. Seine Lieblingsfiguren sind Krähen und Frösche. Brigitte Dietrich ist für menschliche Figuren und vor allem für Gesichter zuständig.

"Solche feinen Sachen kann sie besser", erklärt ihr Mann.
Jede Figur entsteht in Handarbeit und ist ein Einzelstück. Die Preise sind fair: Für 50 Franken kann man sich einen kleinen Spatz fürs Vogelhäuschen kaufen, die teuerste Figur kostet rund 350 Franken. Den Dietrichs geht es aber nicht um den Gewinn. Besonders Ludwig Dietrich möchte nach Aussagen seiner Frau die Figuren "am liebsten verschenken". Und mit einem Lächeln fügt sie an: "Fragen Sie besser meinen Mann nach den Preisen - ich bin teurer".

Wie bei Freunden

Die gebürtigen Deutschen arbeiten oft nach Auftrag und töpfern nach den Wünschen ihrer Kundschaft. So stellten sie für eine Familie ein naturgetreues Abbild ihres Hundes her.

"Sassen der Hund und die Figur nebeneiner, so konnte man sie kaum unterscheiden", sagt Brigitte Dietrich.
Möchte man sich eine Figur herstellen lassen oder im Angebot der Dietrichs stöbern, so kann man dies über ihre Homepage tun. Regelmässig führt das Ehepaar auch Vernissagen durch. Meist enden diese in dem von Tonfiguren wimmelnden Garten, wo die Familie die Gäste verköstigt. So sind schon tolle Freundschaften entstanden, sagt Ludwig Dietrich. "Das Töpfern prägt unser Leben" fügt Brigitte Dietrich an.


Ludwig und Brigitte Dietrich
Leehagstrasse 7, 8181 Höri,
Telefon 044 860 41 78,
kontakt@kreation-in-ton.ch


Quelle:
Tages-Anzeiger
Bild: David Baer
Ausgabe vom 6.Januar 2009

Anm./Korr. B.Dietrich:
Ein Spatz kostet nur ca. 27 Franken.

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