Zürcher Unterländer
Höri: Brigitte und Ludwig Dietrich stellen Tonkreationen her
"Töpfern ist unsere Leidenschaft"
In Höri kann man bei "Kreation in Ton" verschiedenste Töpfereiartikel für Haus und Garten erstehen. Für Brigitte und Ludwig Dietrich ist die Töpferei schon längst nicht mehr "nur" ein Hobby.


Andrea Schweizer

"Das Töpfern ist eine Leidenschaft geworden", sagt Ludwig Dietrich. Zusammen mit seiner Frau Brigitte stellt er nun bereits seit 19 Jahren die verschiedensten Töpfereiartikel her.
  Angefangen hat alles mit einem Töpferkurs, den das Paar vor Jahren besuchte. An zehn Abenden wurden sie in die Kunst des Töpferns eingeweiht. "Dieser Kurs blieb aber unser einziger, den Rest haben wir uns autodidaktisch beigebracht", erzählt Ludwig Dietrich. Der Grund dafür sei relativ einfach: Man könne so viel besser seinen eigenen Stil entwickeln. In Kursen sei die Tendenz gross, etwas nachzumachen, sie hätten aber einen persönlichen Stil entwickeln wollen, und das gehe nur durch Selbsterlernung des Töpferhandwerks.

Unerschöpfliche Fantasie

Wer sich heute die unzähligen Figuren ansieht, die in liebevoller Arbeit entstanden sind, merkt schnell, dass die Dietrichs gut daran getan haben, nichts nachzuahmen. Wunderschöne Engel, Pinguine, Märchenfiguren, Katzen, Vögel und weitere Kreationen können im Garten und im angebauten Ausstellungsraum bewundert werden. "Meine Frau liefert meistens die Ideen und ich führe sie nach anfänglicher Verweigerung aus", sagt Ludwig Dietrich lachend.
Brigitte und Ludwig Dietrich
Die Hysterie um den in der Schweiz enteckten Bären hat Brigitte und Ludwig Dietrich inspiriert. (ans)
Und Brigitte Dietrich fügt an: "Die Ideen sind mir bis jetzt noch nie ausgegangen, es gibt so viele verschiedene Gegenstände, die sich zum Töpfern eignen."
Die neuste Kreation ist ein Engelschor, der den Garten vor dem Haus schmückt. Die Figuren sind etwa 65 cm gross, was eine echte Herausforderung für den Hersteller oder die Herstellerin darstellt.

Heikle Herstellung

"Es braucht extrem wenig und schon hat die Figur einen Sprung oder es bricht etwas ab", schildert Ludwig Dietrich seine Erfahrungen. Vor allem die Phase vom Trocknen der Gegenstände bis zum definitiven Brennen sei heikel. Um einen Gegenstand herzustellen, brauchen die beiden meistens zuerst ein Bild, denn ohne Vorlage zu arbeiten ist sehr schwierig. Viele Ideen für eine Figur kommen dem Ehepaar, das ursprünglich aus Deutschland stammt,
beim Zeitunglesen. "Als der "Schweizer Bär" für Aufregung sorgte, dachte ich mir, es wäre doch eine tolle Idee, diesen Bären zu modellieren", so Ludwig Dietrich. Das Ergebnis scheint geglückt zu sein. Die Figur ist bereits verkauft worden.

Grosses Interesse an Figuren

Dass auch die anderen Figuren auf grosses Interesse stossen, dürfen die beiden immer wieder erfahren, wie Brigitte Dietrich erzählt: "Wir wurden an der Ausstellung des Engelchors regelrecht überrannt. Ich hatte nicht mal genügend Zeit, allen Bekannten Hallo zu sagen." Für die Ausstellung hatten sie die gewaltige Menge von 40 Kilogramm Guetzli gebacken. "Ich war früher Bäcker-Konditor und habe daher etwas Erfahrung mit Backwaren", schmunzelt Ludwig Dietrich. Für sein Töpfer-Hobby hat er sich deshalb ein Jahr früher pensionieren lassen. Auch für seine Frau ist mit "Kreation in Ton", wie sie ihr Töpferatelier nennen,
ein Jugendtraum in Erfüllung gegangen. Ganz besonders stolz sind die beiden auf eine Krippe, die jetzt in Mannheim in einer Kirche steht: "Der Pfarrer dort hat mit uns Kontakt aufgenommen und gefragt, ob wir nicht eine Krippe machen könnten." Das Duplikat ist im Garten der Dietrichs zu bewundern. "Wir mussten die Figuren doppelt herstellen, denn wenn irgendetwas schief gegangen wäre, hätten wir keine Zeit mehr gehabt, eine neue Figur herzustellen", erklärt sie. So habe man eine Reservefigur bereit gehabt. Dem Ehepaar wird es wohl auch in Zukunft nicht so schnell langweilig werden - sofern ihre Leidenschaft für die Töpferei noch lange anhält.



Quelle: (Text u. Bild)
Zürcher Unterländer
Ausgabe vom 21.Dezember 2005

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